Google Pay – die ersten zwei Monate

Ende Juni wurde Google Pay (GPay) endlich in Deutschland freigegeben. Google gelang der Markteintritt hierzulande damit noch vor Apple Pay, dessen Start nun jedoch auch endlich von Apple für dieses Jahr bestätigt wurde; wenn auch bisher noch ohne konkreten Starttermin.

Als Nutzer beider Welten (iOS & Android) ergab sich für mich die Chance, Google Pay gleich von Anfang an zu testen, denn meine „Reisebank“, N26, war von Anfang an mit dabei. Kontaktloses Zahlen mit der N26-Mastercard nutze ich bereits seit über drei Jahren im In- und Ausland und seit dem Start von Apple Pay warte ich darauf, dass wir diese Zahlungsmethode auch endlich offiziell hier in Deutschland nutzen können. Mit dem Start von GPay war für mich somit klar, dass ich diese Funktion testen möchte. Nach nunmehr zwei Monaten ist es an der Zeit eine kleine Bilanz über meine Erfahrungen mit GPay zu ziehen.

Einrichtung
Die Einrichtung von GPay war so schnell und einfach, dass ich mich nach zwei Monaten schon gar nicht mehr an den genauen Prozess erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass es wenige Minuten dauerte und selbsterklärend war – eine sehr gute Nutzungserfahrung also.

Erfreulich ist auch, dass sich Google Pay einrichten lies, obwohl ich N26 mit meinem iPhone nutze. Oder anders gesagt: Die Installation der N26-App auf dem Gerät, das für GPay genutzt wird, ist nicht erforderlich.

Nutzervorteil
In der Debatte um mobiles Zahlen, kommt immer wieder die Frage auf, warum man das eigentlich braucht und worin der Vorteil in der Zahlung mit dem Mobiltelefon liege. Ein Argument könnte sein, dass man zukünftig nur noch das Mobiltelefon dabei haben muss und auf das Portemonnaie verzichten kann. Für mich persönlich sind jedoch folgende Argumente am überzeugensten:

  • Sicherheit: GPay (und genauso Apple Pay) erstellen für jede Transaktion eine virtuelle Kartennummer, die „echte“ Kartennummer wird dem Händler also nicht übermittelt. Angesichts regelmäßig auftretender Datenskandale, bei denen Kreditkartennummern entwendet werden, ist dies – gerade für Nutzungen im Ausland – ein wahrer Sicherheitsvorteil gegenüber der direkten Nutzung der physischen Karte. Es ist mir tatsächlich schon passiert, dass meine Kreditkartendaten einem Datenskandal zum Opfer fielen. Glücklicherweise wurde dies von meiner Bank erkannt und die Karte gesperrt, bevor damit Schaden angerichtet werden konnte.
  • Autorisierungsgeschwindigkeit: Die in Geschäften (PoS = point of sale) eingesetzten Terminals sind häufig nicht gerade schnell, insbesondere wenn eine PIN-Eingabe erforderlich ist. Bei GPay oder Apple Pay findet die Autorisierung von Beträgen über 25 EUR auf dem Gerät statt, was i.d.R. schneller gehen sollte.
  • Kontaktloses Zahlen: GPay und Apple Pay setzen auf NFC, sind also im Kern nichts anderes als eine kontaktlose Zahlung. Persönlich bin ich ein großer Fan der kontaktlosen Zahlung, da dies an der Kasse viel schneller geht als das elende Einstecken der Karte und Warten auf die Authorisierung. Natürlich gilt dieses Argument jedoch auch für die Zahlung mit physikalischen Karten.

Nutzungserfahrung
Seit der Einrichtung Ende Juni habe ich GPay in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den USA testen können und durchweg sehr gute Erfahrungen gemacht. GPay funktioniert nahezu überall, wo auch eine NFC-Kreditkarten-Zahlung möglich ist.

Deutschland
In Deutschland trifft man leider ab und zu auf Terminals, die via NFC nur Girokarten akzeptieren, so gesehen z.B. bei Parkaus-Automaten in Frankfurt (Goetheplatz & Skyline Plaza) und Wiesbaden (Markt Tiefgarage). Was die Betreiber daran hindert, hier auf „den internationalen Standard“ zu setzen ist mir schleierhaft. Aus Kundensicht ist dies ein konstantes Ärgernis. Ulkig ist dies insbesondere im Skyline Plaza, da der dortige Automat sogar den Einschub von Kreditkarten zur Zahlung akzeptiert, diese aber nicht via NFC verarbeiten kann.

Die allgemeine Akzeptanz von GPay im Einzelhandel ist jedoch sehr gut. Egal ob Rewe, Edeka, Globus-Baumarkt oder Aldi. Werden NFC-Kreditkartenzahlungen akzeptiert, so ist auch die Zahlung mit GPay möglich, so zumindest meine bisherige Erfahrung.

Entgegen meiner Erwartungen habe ich bisher übrigens weder seltsame Kommentare oder Fragen von Kassenpersonal erhalten. Seit meinem NFC-Rant hat sich hier offenbar einiges verbessert.

Ausland
Auch im Ausland habe ich bisher sehr gute Erfahrungen mit GPay gesammelt. Interessant fand ich in den USA jedoch, dass die Existenz von GPay wohl nicht breit bekannt zu sein scheint und wenn man darüber kommuniziert, die Menschen denken, man habe gerade Apple Pay genutzt… vielleicht auch nur ein Zufallseindruck. Kurios war dies z.B. bei CVS, denn als ich kontaktlos Zahlen wollte, klärte man mich auf, dass „Apple Pay“ hier nicht angenommen wird. CVS hatte sich vor Jahren an einem eigenen mobilen Zahlungssystem probiert, das offenbar so erfolgreich war, dass man noch dieses Jahr Apple Pay unterstützen will. An einem Self-Service-Terminal habe ich es dann auch noch einmal verifizieren können: Auch GPay funktioniert bei CVS derzeit nicht.

Problematisch ist in den USA jedoch zu erkennen, ob NFC unterstützt wird und wenn ja, wo das Mobiltelefon dabei genau hinzuhalten ist. Bei Macy’s bin ich z.B. über ältere Terminals gestolpert, die keinerlei Kennzeichnung bzgl. NFC hatten, dies jedoch unterstützten, wie ich sah, als meine Karte dagegen gehalten wurde. Bei einem weiteren Versuch in der gleichen Filiale habe ich das Mobiltelefon anscheinend an die falsche Stelle gehalten, weshalb es zu einem Fehler kam. Insgesamt kann ich jedoch über sehr gute Erfahrungen mit GPay auch im Ausland berichten.

Sonstiges
Praktisch ist, dass gebuchte Transaktionen natürlich gleich auf dem Gerät angezeigt werden. Zudem gibt es auch eine Übersicht aller Transaktionen der letzten 30 Tage.

Google Pay transactions
Google Pay transactions

Auf Wunsch kann man sich von Android auch darauf hinweisen lassen, ob GPay unterstützt wird. Das sieht dann wie folgt aus:

Notification on availability of Google Pay
Notification on availability of Google Pay

Fazit
GPay funktioniert erwartungsgemäß und reibungslos im In- und Ausland. Die Anzahl der unterstützenden Banken ist m.E. für den deutschen Markt derzeit zu gering. Wenn Apple Pay, wie es die Gerüchtelage vermuten lässt, mit deutlich mehr Partnern startet, sehe ich für Apple Pay bessere Marktchancen. Ich bin jedenfalls gespannt darauf und freue mich auf den anstehenden Launch von Apple Pay in Deutschland. Ob ich GPay danach noch nutzen werde ist fraglich, zumal mein iPhone mein Hauptgerät ist.

Warum wir uns von den Linken nicht trollen lassen

Die FAS gibt mir heute ein Minus dafür, dass wir in der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung eine Redezeitbegrenzung einführen wollen.

Damit man das Thema bewerten kann, sollte man die Hintergründe und Fakten dazu kennen, die ich im Folgenden zusammengestellt habe:

Zur Verlängerung der Online-Verkehrsdatenlizenz beim Teiledienst anstellen, oder wie Audi die Digitalisierung nicht verstanden hat.

Vor Kurzem habe ich „Silicon Germany“ von Christoph Keese gelesen. So sehr ich mit ihm bzgl. des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger nicht einer Meinung bin, so sehr gelungen fand ich jedoch sein Buch, das u.a. ein paar schöne Beispiele über das Versagen großer Unternehmen bei der Digitalisierung enthält.

Auf einer längeren Fahrt ergab es sich vor zwei Wochen, dass mir auch ein Fall fundamentalen Nichtverstehens der Digitalisierung begegnet ist, bei meinem Auto, hergestellt von Audi.